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An den Isolationsversuchen wird deutlich, daß ein Lebewesen keineswegs mit allen seinen Fähigkeiten zur Welt kommt.Im Gegenteil fehlen in völliger Isolation aufgewachsenen Tieren, im Gegensatz zu in der natürlichen Umgebung aufgewachsenen Artgenossen, oft wichtige Verhaltensmuster.
Was ist "Erlerntes Verhalten"
Erlerntes Verhalten ist im Gegensatz zur Instinkthandlung ein erst im Laufe des Lebens erworbenes Wissen oder Verhalten.
Physiologische Vorgänge beim Lernen
Lernen ist das Aufnehmen und Speichern von Informationen im Gehirn.
Diese Speicherung findet auf drei verschiedenen Stufen statt.
1) Sensibles Gedächtnis: Im sensiblen Gedächtnis stehen für die kurzfristige (10 sek.) Speicherung von Informationen 7 Speicherplätze in Form von neuronalen Schaltkreisen mit positiver Rückkopplung bereit.
2) Kurzzeitgedächtnis: Auch das Kurzzeitgedächtnis basiert auf neuronalen Schaltkreisen, die allerdings aufgrund selbstaktivierender Synapsen zur längeren Speicherung fähig sind.Im Arbeitsgedächtnis können Informationen eine halbe Stunde verweilen.
3) Langzeitgedächtnis: Im Langzeitgedächtnis werden Informationen auf stofflicher Basis als Engramme gespeichert, so daß sie dort ein ganzes Leben lang abrufbar bleiben können.
Bei allen drei Gedächtnisstufen gilt, daß die Motivation (Interesse) darüber entscheidet ob ein Inhalt aufgenommen oder transferiert wird. An diesem Prozeß ist das in der Großhirnrinde sitzende limbische System beteiligt.
Arten des Lernens
Prägung: Der Prägungsvorgang ist auf eine Phase in der frühen Kindheit begrenzt und ist irreversibel. Es sind durchaus auch Fehlprägungen möglich, so kann man z.B. ein Entenküken auf einen Fußball anstatt auf die Mutter prägen.
Habituation: Habituation tritt ein, wenn ein Versuchstier wiederholt einem Reiz ausgesetzt wird, der sich als bedeutungslos erweist.Der AAM (angeborener auslösender Mechanismus) wird im Laufe dieses Prozesses umgewandelt (EAAM - durch Erfahrung modifizierter AAM), so daß der Reiz seinen Schlüsselreizcharakter verliert und keine Reaktion mehr auslöst.
Klassische Konditionierung: Bei der klassischen Konditionierung wird ein neutraler Reiz mit einem unbedingten kombiniert, so daß das Tier darauf dressiert ist, auf den ursprünglich neutralen Reiz (und jetzt bedingter) zu reagieren.
(Beispiel : Pawlowsche Hunde)
Nachahmungslernen und Tradition: Nachahmungslernen ist das Lernen aus der Beobachtung und anschließender Nachahmung von Artgenossen. Dabei spielt der Rang von lehrendem und lernendem Individuum eine große Rolle. In hierarchisch strukturierten Gruppen verläuft ein solcher Lernprozeß nur von oben nach unten.Durch Nachahmung werden Freß- und Arbeitstechniken, aber auch gerade für den Menschen höchst wichtige Kommunikationsmuster und komplexe soziale Verhaltensmuster erworben.
Ein sehr lange isoliertes Individuum (siehe Kaspar Hauser) ist aus diesem Grunde nur noch bedingt fähig, in einer Gruppe von Artgenossen zu leben.
Internalisiertes Lernen: Diese Lernart fordert die höchste Leistung des Gehirnes sowie ein hohes Maß an Vorraussicht. Die zu lösende Situation wird im Kopf durchgespielt und in einem illusionären Versuch und Irrtumverfahren gelöst.Hierzu benötigt man allerdings einen gewissen Erfahrungsschatz, um daraus zu schöpfen.
Gerade beim Menschen lassen sich genetisch festgelegte und erlernte Verhaltensweisen nicht eindeutig trennen, da aus ethischen Gründen keine Kaspar- Hauser- Experimente möglich sind. Außerdem kann man davon ausgehen, daß gewisse genetische Programme durch Erfahrung oder Erlernen perfektioniert werden müssen. So beherrscht eine isoliert aufgewachsene Ratte zwar alle Einzelschritte des Nestbauverhaltens, die richtige Reihenfolge der Schritte muß sie aber erst erlernen.
Beispiel Kaspar Hauser
Dieser völlig isoliert aufgewachsene Junge hatte keinerlei Möglichkeit seine genetischen Programme durch Lernen zu erweitern. Er konnte also weder Sprechen noch Laufen, vor allem fehlte ihm aber jegliches soziales Wissen.Besonders aus diesem Grund wird er den Menschen, die damals lebten, unheimlich gewesen sein. Auch fehlten ihm wahrscheinlich jegliche nonverbale Kommunikationformen, die ihn im Kontakt unangenehm gemacht haben dürften.
Man kennt diese Situation selber, denn es gibt Menschen, denen Teile dieser nonverbalen Kommunikationsform unzugänglich sind. Meistens fällt einem das unangenehm auf, tritt eine Person beim Gespräch z. B. sehr nah an einen selber heran, weicht man automatisch zurück. Menschen die das "soziale Feingefühl" nie richtig gelernt haben, werden in den meisten Fällen Probleme in ihrer Umwelt bekommen.
Das Lernen ist also genauso lebenswichtig, wie die Korrektheit der genetischen Programme.
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