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Anna Maria van Schürmann, ein 1607 in Köln geborenes Universalgenie, konstatierte 1638 : ... "Daher kommt es, dass bei der Lektüre historiographischer Werke über weite Zeitläufe hinweg von den Spuren der Frauen nicht mehr erscheint als von den Spuren eines Schiffes im Meer. " Auch sie vermißte also schon Nachrichten über die Geschichte von Frauen.
Natürlich haben Frauen eine Geschichte! Die traditionelle männerorientierte Geschichtsschreibung hat jedoch das Leben und Wirken von Frauen kaum jemals als überlieferungswürdig erachtet.
Wo können wir sie finden - in städtischen Ausstellungen und Büchern? Wenn überhaupt, tauchen Frauen dort zumeist nur als Ehefrau von, Mutter von, Schwester von..., Geliebte von... und als Mäzenin eines "großen" bzw. berühmten Mannes auf.
| Frauengeschichte finden wir nur selten auf Straßennamen und noch seltener auf Denkmälern. | ![]() |
Weder im Schulbuch noch in der Broschüre des Fremdenverkehrsamtes, weder in der Firmenchronik noch im Findbuch eines Archivs scheinen Frauen überlieferungswürdig zu sein. |
Der Kölner Frauengeschichtsverein, der 1986 gegründet worden ist, hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Geschichte von Frauen in Köln zu erforschen, sie (wieder) sichtbar zu machen, ins öffentliche Bewußtsein zu rücken und in ihrer Lebendigkeit und Aktualität anderen zu vermitteln.
Mündliche Vermittlung
Die Frauengeschichts-Aktivitäten begannen 1985 mit ganztägigen Stadtrundfahrten zur Kölner Frauengeschichte, die die Diplompädagogin Edith Kiesewalter und die Historikerin Irene Franken konzipierten und durchführten. Die starke Resonanz zeigte, daß das Bedürfnis von Frauen nach Informationen über ihre Geschichte außerordentlich groß war - und ist. Anfangs versuchten oft an die 170 Frauen, sich zu einem Rundgang anzumelden... Mittlerweile in einen kürzeren Stadtrundgang unter dem Titel: Touristin in der eigenen Stadt umgeändert, ist dieser zum "Dauerbrenner " und zu einem bundesweit beachteten Markenzeichen geworden.
Weitere Stadtrundgänge durch Stadtviertel folgten (Kölner Südstadt, Griechenmarktviertel, Rathenauplatz..., weitere sind in Planung). Andere Führungen zur Kölner Stadtgeschichte betreffen das religiöse Leben der Kölnerinnen von der Antike bis heute, eine mächtige Frau, die sich in Köln begraben ließ und die Rolle der Frau im Nationalsozialismus.
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Ein besonderer Hit ist
die seit 1997 angebotene Rheinrundfahrt. Das "Geschichte-Erzählen-vor-Ort" hat sich als großer Erfolg herausgestellt. |
Ausstellungen
Die Vereinsmitglieder organisierten mehrere Ausstellungen: Schon Anfang 1986 fand in Kooperation mit dem Frauenbuchladen Köln eine Kunstausstellung zur Kölner Frauengeschichte statt: "Die Geschichte der Frauen in Köln - gesehen von Kölner Künstlerinnen". - Seit den 1980er Jahren verfügt der Kölner Frauengeschichtsverein über eine Kopie der "berühmten" Hamburger Hexenausstellung von Heidi Staschen, Thomas Hauschild und Regina Troschke, diese wurde verschiedentlich ausgestellt und ggf. mit lokalspezifischen Tafeln ergänzt. 1998 schenkte der Verein Teile davon der Katharina-Henot-Gesamtschule in Köln, wo sie in der Bibliothek ausgestellt wird. - 1992 zeigte der KöFGe eine von BerlinerInnen erstellte Ausstellung Eine Frauensache - Alltagsleben und Geburtenpolitik 1919-1933 in der VHS Köln. Nina Matuszewski hatte die Ausstellung um Tafeln zur Kölner Situation angereichert. - 1995 präsentierte 10 Uhr pünktlich Gürzenich einen Überblick über 100 Jahre Frauenbewegung und Frauenorganisationen in Köln. - Im gleichen Jahr spiegelte die Ausstellung Ja, das Studium der Weiber ist schwer! den BesucherInnenn der Kölner Universitätsbibliothek die Geschichte der ersten Studentinnen und Dozentinnen an der Kölner Universität. - 1998 wurde auf Initiative des Kölner Frauengeschichtsvereins die Wanderausstellung Anne Frank - eine Geschichte von heute (Anne Frank Haus Amsterdam) gezeigt und ein umfangreiches Begleitprogramm angeboten.
Politische Einflußname:
Straßenumbenennungen: Bereits 1986 stellten wir den ersten Antrag, die zwei Gassen Unter Seidmacher und Seidmachergässchen in Seidmacherinnengässchen umzuformulieren, da es in Köln - und nur in Köln - Frauenzünfte zur Seidenherstellung gegeben habe und die männliche Schreibweise dieses exzeptionelle Faktum verschleiere. - Dem Antrag wurde stattgegeben. - 1988 wurde die Henot-Straße in Katharina-Henot Straße nach einer 1627 in Köln als Hexe verbrannten Frau umbenannt und desgleichen eine neue Straße nach Irmgard Keun benannt...
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Sichtbarkeit im Stadtbild: Im Jahr 1987 wirkte Irene Franken für den Kölner Frauengeschichtsverein wesentlich daran mit, daß bei der Neugestaltung des Kölner Rathausturmes mehr historische Frauengestalten durch Skulpturen berücksichtigt wurden als ursprünglich vorgesehen (achtzehn statt fünf). Der Verein reichte eine Liste mit Namen von historischen Frauengestalten ein, die auf ihre Weise und mit ihren - oft beschränkten Möglichkeiten - für das Wohl der KölnerInnen gewirkt hatten. Nun sind 18 Frauen auf dem Ratsturm aufzuspüren und ihre Lebensläufe bilden einen Teil des "Personen-Kanons" der Stadtgeschichte. Mit 106 Männern dominiert "das Patriarchat" in der Geschichtsauffassung und -schreibung jedoch noch immens...
| Liste
der 18 Frauen, die gewürdigt wurden: Agrippina d.J., Hl. Ursula, Plektrudis, Theophanu, Ida, Sela Jude, Fygen Lützenkichen, Katharina Henot, Anna Maria van Schürmann, Augustina de Heers, "Die Klosterfrau" Marie Clementine Martin, Mathilde Franziska Anneke, Mathilde von Mevissen, Amalie Lauer, Hertha Kraus, Edith Stein, Christine Teusch und Irmgard Keun. |
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Im März 1991 übergab der Kölner Frauengeschichtsverein - zusammen mit der Agrippina-Versicherung - im Rathaus feierlich selbst eine Ratsturmfigur an die Stadt.
Ausstellungskritik: 1988 kritisierten Vereinsfrauen zusammen mit anderen Geschichtsinitiativen als "Historische Kooperation" die Konzeption und Darstellung der städtischen Ausstellung Der Name der Freiheit für ihren veralteten und ausgrenzenden Ansatz.
Schriftliche Darstellungen:
Als erstes erschien ein Buch über die lokale Hexenverfolgung, es erlebte bisher drei Auflagen und soll Anfang 2.000 in erweiterter Neuauflage herauskommen; auch die Broschüre zum ersten Stadtteilrundgang Beginen und Bayenamazonen war so gefragt, daß sie mehrfach neu aufgelegt wurde. Ausstellungskataloge oder Aufsatzband: alle Veröffentlichungen fanden Anklang, mehrere Titel sind vergriffen. (s. Literaturseite)
Der KöFGe als Rechercheort und Dokumentationsstelle:
Die Vereinsräume und finanziellen Mittel erlauben zwar keine großen Bestände zur Geschichte der Frauen in aller Welt, doch ist es möglich, bei uns zu lokalen Themen zu forschen. Auch beantworten wir gegen eine Recherchegebühr Anfragen von entfernter lebenden Interessierten, sofern personell möglich. - Die Bürozeiten sind Di und Do 10-15 Uhr.
Forschungsprojekte und Arbeitskreise:
Zu einzelnen Aspekten haben Mitarbeiterinnen intensiver geforscht (Anna Maria van Schürmann, Jesuitessen, Hexenverfolgung, Hebammen, Frauenbewegung, 1848...). Zum Thema Frauen im Nationalsozialismus bestand von 1992 bis 1995 ein besonderer Arbeitskreis (Leitung Marlene Tyrakowski und Dr. Katrin Dördelmann). Zahlreiche Veranstaltungen wurden organisiert und seit 1994 fanden Führungen durch die NS-Gedenkstätte im EL-DE-Haus statt: Von Widerstandskämpferinnen, Zwangsarbeiterinnen und Denunziantinnen". Der Arbeitskreis stellte seine Arbeit mit einer gemeinsamen Fahrt nach Auschwitz ein.
Mitwirkung in Gremien:
Aktive des Kölner Frauengeschichtsvereins sind Mitfrau in verschiedenen Vereinigungen und Gremien:
Die Organisation des Vereins
Im Kölner Frauengeschichtsverein gibt es vier Ebenen:
Der Verein hat seit seiner Existenz stets um die 100 Mitfrauen und einige wenige unterstützende Männer. Weitere sind willkommen!